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  • Sauna - Wärme- und Infrarotkabine

    Hinsichtlich der Art des Wärmeübertrags an den menschlichen Körper sind drei Möglichkeiten zu unterscheiden. Diese sind in der Praxis allerdings meist nicht streng zu trennen. So wird zwar in einer Sauna die Wärme zum überwiegenden Teil durch heiße Luft (Konvektion) übertragen, der Anteil an Infrarotstrahlung (Saunaofen, heiße Wände) ist aber keinesfalls zu vernachlässigen. Umgekehrt hat man bei Infrarotwärmekabinen, die konzeptionell mit einer Lufttemperatur oberhalb der Indifferenztemperatur (30 – 36 °C) arbeiten, auch immer einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an Wärmeübertrag durch Konvektion.

    Spricht man im Wellness- oder Heimbereich von einer Ganzkörperwärmeanwendung, so denkt man vor allem an Sauna, Dampfbad und Infrarotkabine.
    Der entscheidende Unterschied der jeweiligen Wärmeanwendungen liegt in der Art der Thermoregulation, die sie im Körper anregen. Grob vereinfachend kann man hinsichtlich der Ganzkörperwärmeanwendungen zwei unterschiedliche Prinzipien bzw. Zielsetzungen erkennen – die Reizanwendung und die Überwärmungsanwendung.

    Dame während einer Saunaanwendung
    Saunaanwendung

    Die Reizanwendung
    Bei der Reizanwendung wird die gesamte Körperoberfläche einer Lufttemperatur ausgesetzt, die deutlich über dem „thermisch neutralen“ Bereich liegt. Sitzt man beispielsweise in der Sauna bei 100 °C Lufttemperatur, erhöht der Körper bedingt durch den Wärmereiz zunächst die gesamte Hautdurchblutung zur Kühlung der Haut. Da sich der überwiegende Teil der Haut in dieser „heißeren Umgebung“ befindet, strömt auch aus dem überwiegenden Teil der Haut erwärmtes Blut zum Körperinnern zurück. Die Körperkerntemperatur würde daher sofort und schnell ansteigen. Zum Schutz drosselt der Organismus den Blutrückstrom aus der Haut – die peripheren arteriovenösen Shunts (periphere Verbindungsgefäße zwischen den kleinsten Arterien und Venen in der Haut) werden geschlossen. Bis zu 2 Liter Blut können in die Haut „verloren“ gehen und stehen kurzeitig nicht für den Kreislauf zur Verfügung. Ergänzend sei dazu bemerkt, dass das Gefäßsystem des erwachsenen menschlichen Körpers etwa 70 bis 80 ml Blut pro kg Körpergewicht enthält. Dies entspricht ca. 5 bis 6 l Blut. Männer besitzen in der Regel etwa 1 Liter Blut mehr als Frauen, was vor allem auf Größen- und Gewichtsunterschiede zurückzuführen ist.

    In Studien konnte gezeigt werden, dass in der Sauna in dieser Phase die Körperkerntemperatur tatsächlich nicht ansteigt. Dieser Schutzmechanismus kann aber wegen der hohen Belastung für das Herz-Kreislauf-System – je nach Trainingszustand – nur einige Minuten aufrechterhalten werden. Dann muss der Blutrückstrom aus der Haut wieder in Gang gesetzt werden. Nach der Öffnung der peripheren AV-Shunts erhöht sich die Körperkerntemperatur fast schlagartig auf bis zu 39 °C. Die Sauna wird daher in Studien als kurzzeitige Reizanwendung zur Stimulation des vegetativen Nervensystems im kneippschen Sinne empfohlen – mit entsprechenden Kälteanwendungen und Ruhephasen im Wechsel. Damit man die unbestritten positiven Effekte der Sauna optimal nutzen kann, sollte man die Sauna vor dem Öffnen der AV-Shunts verlassen – also bevor die Körperkerntemperatur massiv ansteigt. Meist ist dieser Punkt erreicht, wenn man sich überwinden muss, noch „auszuhalten“. Je nach Trainingszustand und individueller Tagesform können dies Zeitspannen von wenigen Minuten bis zu einer Viertelstunde sein. Keinesfalls ist es eine fixe Zeitdauer. Man muss also auf seinen Körper hören. Bei niedrigeren Lufttemperaturen (Biosauna 50 – 60 °C) und/oder hoher Luftfeuchtigkeit (Dampfkabine) unterscheidet sich diese Form der Thermoregulation jeweils nur graduell, nicht prinzipiell.

    Die Überwärmungsanwendung
    Hierunter kann man Ganzkörperwärmeanwendungen zusammenfassen, die das Ziel haben, die Körperkerntemperatur zu erhöhen. Bezüglich der Ganzkörperüberwärmung ist allerdings eine strenge Differenzierung notwendig.

    Wellness- und Heimbereich
    Die milde Ganzkörperüberwärmung, die auch unproblematisch und sinnvoll ohne ärztliche Kontrolle eingesetzt werden kann, sollte den Fieberbereich (über 38 °C) nicht erreichen. Der Körper sollte möglichst belastungsfrei und von Beginn an kontinuierlich und langsam durchwärmt werden. Die Wirkung durch die Wärmeregulationsreaktion tritt schon bei einer leichten Erhöhung der Körperkerntemperatur ein. Die Durchblutung wird erhöht und verbessert die Versorgung von Haut, Bindegewebe, Muskulatur und Organen mit Nährstoffen und Sauerstoff. Die Muskulatur entspannt sich, Entgiftung und Entschlackung werden angeregt. Der Stoffwechsel arbeitet beschleunigt und das Immunsystem wird moduliert. Es werden also zahlreiche, zum Teil unspezifische Effekte ausgelöst, die bei einer großen Zahl unterschiedlicher Erkrankungen hilfreich sein können. „Therapie“ ist nicht das Ziel der Ganzkörperwärmeanwendungen im Wellness- oder Heimbereich, eine Linderung von Befindlichkeitsstörungen im Rahmen verschiedener Erkrankungen ist aber durchaus möglich. Künstliches Fieber (Temperaturen über 38 °C) sollten dabei in jedem Fall vermieden werden, da es für den Anwender – ohne fachärztliche Betreuung – mit einem gewissen Risiko verbunden sein kann.